10 einfache Wege, wie du mehr Netto vom Brutto hast
Als Azubi hast du einige Kosten zu stemmen, wie etwa deinen Handyvertrag, deine Busfahrkarte oder die Miete deiner Wohnung. Reicht dein Geld am Ende des Monats nicht? Dann haben wir ein paar Tipps für dich, wie du mehr netto vom brutto bekommst. Du kannst sowohl staatliche Förderung in Anspruch nehmen als auch Vergünstigungen von deiner Firma erhalten.

Förderung für Auszubildende
Fangen wir mit Vater Staat an, denn für dich als Auszubildender stehen verschiedene Mittel bereit. Lass dich von den sperrigen Begriffen nicht abschrecken, sie bedeuten bares Geld.
Tipp 1: Die Berufsausbildungsbeihilfe – BAB
Die BAB ist ein Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Du kannst ihn beantragen, wenn du zwei Voraussetzungen erfüllst. Erstens: Du machst eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Zweitens: Du lebst in einer eigenen Wohnung. Entweder bist du schon achtzehn Jahre alt oder deine Eltern wohnen zu weit von deinem Ausbildungsbetrieb entfernt. Auch wenn du wegen sozialer Schwierigkeiten ausziehen musst, einen Partner oder eine Partnerin oder ein Kind hast, kannst du es beantragen. Die Höhe der BAB richtet sich zum Beispiel nach deiner Ausbildungsvergütung. Berücksichtigt wird auch das Einkommen deiner Eltern, ob du verheiratet bist oder Kinder hast. Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) kann bis zu 700 Euro monatlich betragen.
Tipp 2: Das Bundesausbildungsförderungsgesetz BAföG
Eine weitere Möglichkeit der finanziellen Unterstützung ist das sogenannte Schüler-BAföG. Diesen Zuschuss kannst du nur beantragen, wenn du eine schulische Ausbildung machst. Für Schüler liegt der Höchstsatz zwischen 803 Euro und 957 Euro. Bei einer klassischen dualen Ausbildung hast du leider keinen Anspruch.
Tipp 3: Wohngeld
Vielleicht erfüllst du die Voraussetzungen für die Berufsausbildungsbeihilfe nicht. Eine andere finanzielle Unterstützung kannst du in Form von Wohngeld beantragen. Dafür musst du in einer eigenen Wohnung leben, die Miete selbst zahlen und kein BAB beziehen. Wohngeld beantragst du bei deiner zuständigen Wohngeldstelle.
Tipp 4: Kindergeld
Kindergeld bekommen normalerweise deine Eltern. Machst du eine Ausbildung, wohnst nicht bei deinen Eltern und bist unter fünfundzwanzig Jahre alt, dann steht es dir zu. Wenn sich deine Eltern weigern, dir das Kindergeld auszuzahlen. dann reichst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit ein. Das Geld kommt dann direkt auf dein Konto.
Krankenkasse und Steuern
Bei den Beitragssätzen der gesetzlichen Krankenkassen gibt es erhebliche Unterschiede. Ihre Leistungen sind fast identisch, da sie aus dem Sozialgesetzbuch stammen. Jede gesetzliche Krankenkasse erhebt den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, doch der Zusatzbeitrag variiert.
Tipp 5: Wechsel der Krankenkasse
Derzeit liegt der höchste Zusatzbeitrag einer Krankenkasse bei 3,5 Prozent deines Bruttoeinkommens, der günstigste nur 0,9 Prozent. Die Tabelle zeigt dir deine Ersparnis bei einem monatlichen Bruttogehalt von siebenhundert Euro:

Steuerfreibeträge & Gehaltsoptimierungen
Tipp 6: Steuerfreibeträge
Das Finanzamt setzt bei dir als Auszubildenden automatisch einen Freibetrag an. Im Jahre 2025 beträgt er 12.084 Euro. Solange du jährlich weniger als diese Summe verdienst, bist du von der Lohnsteuer befreit. Liegt dein Gehalt darüber, bist du steuerpflichtig. Doch vielleicht hast du jährlich Ausgaben von mehr als deinem Freibetrag von 12.084 Euro, dann kannst du diese absetzen:
- Fahrtkosten, sprich Fahrten zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule, kannst du mit der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer absetzen
- Arbeitskleidung, die nicht vom Arbeitgeber gestellt wird
- Arbeitsmittel wie Fachbücher, Schreibmaterial, Bürobedarf, Werkzeuge
- Ausgaben für Bewerbungen wie Bewerbungsmappen und Fotos
- Umzugskosten, wenn du für deine Ausbildung umziehen musst
- Telefon- und Internetkosten, wenn du diese für deine Ausbildung nutzt
- Teilnahmegebühren für berufsrelevante Kurse, Lehrgänge und Prüfungen
All diese Ausgaben kannst du absetzen, damit verringert sich dein Gehalt und du zahlst weniger Steuern.
Brutto und Nettogehalt
Die Basis deines Einkommens ist dein Bruttogehalt. Das ist der Betrag, der in deinem Ausbildungsvertrag steht. Hier sind keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Letztlich landet auf deinem Konto der Nettobetrag - dein Gehalt, das dir nach Abzug aller Abgaben bleibt. Warum ist das so wichtig? Weil dir in Deutschland – aufgrund der hohen Abgaben – oft mehr netto bleibt, wenn du keine Lohnerhöhung, sondern andere Leistungen erhältst.
Tipp 7: Sachzuwendungen
Dein Arbeitgeber kann dir jeden Monat sogenannte Sachzuwendungen in Form von Tankgutscheinen oder Einkaufsgutscheinen zukommen lassen. Maximal fünfzig Euro sind steuer- und sozialabgabenfrei.

Zuschüsse & Beihilfen
Tipp 8: Zuschuss zum Internetzugang
Ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfrei kann dir der Arbeitgeber einen sogenannten Barzuschuss für deinen privaten Internetzugang auszahlen. Du musst nur bestätigen, dass du privat einen Internetanschluss zu Hause hast und dafür Kosten entstehen. Sachzuwendungen oder Internetzuschuss müssen zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden. Eine teilweise Umwandlung deines Gehalts in Zuschüsse ist nicht möglich.
Tipp 9: Erholungsbeihilfe
Erholungsbeihilfe klingt wie Urlaubsgeld, doch diese weniger bekannte Variante erhältst du netto ohne Steuern und Sozialabgaben. Pro Jahr kannst du 156 Euro für dich selbst erhalten, zusätzlich noch mal 104 Euro für eine Ehe- oder Lebenspartner und 52 Euro für jedes Kind. Du musst allerdings nachweisen können, dass du das Geld tatsächlich für Erholungszwecke verwendest, wie etwa einen Schwimmbadbesuch. Die Beihilfe muss im zeitlichen Zusammenhang mit einem Urlaub stehen, sprich drei Monate vor oder nach dem Urlaub.
Tipp Nr. 10 Essenszuschuss
Bietet dein Arbeitgeber keine Kantine oder verpflegt dich anderweitig, kannst du bis zu 6,90 Euro pro Tag steuerfrei von ihm erhalten. Für maximal fünfzehn Tage im Monat sind das 103,50 Euro netto. Der Arbeitgeber zahlt nur 25 Prozent Pauschalsteuer.
Zusammenfassung
Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten für dich, dein Gehalt legal aufzubessern. Es klingt vielleicht trocken, aber es bedeutet jeden Monat mehr Geld auf deinem Konto. Informiere dich auf jeden Fall frühzeitig über die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und stelle die Anträge bei den zuständigen Stellen. Wenn du Fragen hast, stehen wir dir gerne zur Verfügung und beraten dich kostenlos.
Bitte beachte: Dieser Text erläutert Beispiele und ersetzt keinesfalls eine Steuerberatung. Bei Gehaltsfragen wende dich bitte an einen Steuerberater.
Häufige Fragen & deren Antworten
Hier findest du die häufigsten Fragen. Deine ist nicht dabei? Wir klären diese im persönlichen Gespräch.
Lass dich jetzt kostenfrei beratenMuss ich Steuern zahlen, wenn ich eine Ausbildung mache?
Solange dein Jahreseinkommen unter 12.084 Euro (Stand 2025) liegt, zahlst du keine Lohnsteuer. Wenn du darüber liegst, kannst du aber viele Kosten wie Fahrtkosten, Arbeitskleidung oder Lernmaterialien absetzen, um deine Steuerlast zu senken.
Wie kann mein Arbeitgeber mich finanziell unterstützen?
Dein Arbeitgeber kann dir steuerfreie Zuschüsse wie Tankgutscheine (bis zu 50 € monatlich), einen Internetzuschuss oder eine Erholungsbeihilfe zahlen. Diese sind für dich und deinen Arbeitgeber vorteilhafter als eine normale Gehaltserhöhung.
Kann ich Wohngeld und Berufsausbildungsbeihilfe gleichzeitig erhalten?
Nein, wenn du BAB bekommst, hast du keinen Anspruch auf Wohngeld. Falls du aber kein BAB erhältst, kannst du stattdessen Wohngeld beantragen, wenn du in einer eigenen Wohnung lebst und die Miete selbst zahlst.
Wer kann die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen?
Die BAB kannst du beantragen, wenn du eine anerkannte Ausbildung machst und nicht mehr bei deinen Eltern wohnst. Entweder bist du volljährig oder dein Ausbildungsbetrieb ist zu weit entfernt. Auch wenn du wegen besonderer Umstände ausziehen musst, kannst du BAB erhalten.